La Rocca - die Hauptburg San Marinos
Hier folgen nun die Beschreibungen der aktuell letzten Etappen, die wir in diesem Jahr nach Osten (von Lutherstadt Eisleben nach Halle an der Saale)und nach Süden (von San Marino nach Trevi) gewandert sind. Eine vollständige Übersicht über unsere bisher 112 Tagesetappen in alle Himmelsrichtungen könnt Ihr Euch unter www.zu-fuss.de verschaffen.
Alle reichbebilderten Etappen sind auch unter Andreas-Haerdter@web.de für 12,- € inklusive Versand erhältlich.
gewandert am Freitag, dem 29. April 2005, mit Michael auf Fahrrad
Landstraßen
Süd 65
Apenninen
San Marino (RSM) – Mercatale (I)
Verkehrsverbindungen: Keine
Wegmarkierung: Keine
Tourenlänge: 29 km
Wanderzeit: 7 Stunden
Höhenangaben: Vom bis zu 760 m hohen San Marino (Monte Titano) wandern wir heute überwiegend abwärts bis in das 229 m hoch gelegene Mercatale. Insgesamt steigen wir zwischendurch 914 m auf, jedoch 1419 m bergab.
Wanderkarten: Belletti Editore: Rimini 1:55 000 mit San Marino, zu beziehen über www.bellettieditore.com. Auch: Karte von freytag & berndt „Mare Adriatico Centrale. Ancona“ 1: 150 000.
Gaststätten unterwegs: San Marino, Montelicciano km 8, Mercatino Conca km 12, Mercatale km 29
Übernachtung: San Marino, Montelicciano km 8, Mercatale km 29 oder Sassocorvaro
Sehenswertes: San Marino: siehe Wanderung 64. Apenninen: Die Apenninen erstrecken sich von den Ligurischen Alpen über die ganze italienische Halbinsel. Die Bergkette ist etwa 1 200 Kilometer lang und bis zu 129 Kilometer breit. Die höchsten Berge erreichen eine Höhe von bis zu 2900 m (Monte Corno), allgemein haben die Apenninen jedoch eher einen Mittelgebirgscharakter (durchschnittlich 1200 hm). Am westlichen Rand entspringen einige bedeutende Flüsse des Landes, wie z. B. der Arno und der Tiber. Neben anderen Bodenschätzen zählen die Marmorsteinbrüche von Carrara zu den bekanntesten. Während man die Berge und Hügel jahrhundertelang abgeholzt und kahlgeschlagen hatte, wird nun allmählich wieder aufgeforstet. Neben Weideflächen für die Viehzucht eignen sich die Hanglagen vorzüglich für den Anbau von Wein, Oliven und Gemüse. Sassocorvaro: Festungsanlage aus dem 15. Jh mit integriertem Kunstmuseum. Die ganze Stadt zeigt ein mittelalterliches Bild. Mercatale: die Stadt liegt unterhalb von Sassocorvaro, am Lago di Mercatale, der landschaftlich ein wunderschönes Bild abgibt. Der künstliche See ist rund 50 Hektar groß und hat eine maximale Tiefe von 20 Metern.
Wegbeschreibung:
Für die Anreise wählten wir auch in diesem Jahr wieder das Flugzeug, das uns am Donnerstag Abend von Hannover nach Venedig transportierte. Mit dem Bus ging es zum Bahnhof Mestre und danach in der Bahn nach Rimini. Wir erreichten die Stadt planmäßig gegen 1:30 Uhr und bezogen unser reserviertes Zimmer im Hotel Villa Lalla. Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus nach San Marino, wo wir nach einer Besichtigung des im Vorjahr ausgelassenen Ostteils des Felsens gegen 11:30 Uhr unsere Wanderung fortsetzten.
Dazu wählte ich vom Busparkplatz aus die bergab führende lange Treppe, die ich am Ende des Platzes hinter den Restaurants vorfand. Unten, an der Hauptdurchfahrtstraße Via Tacomini angekommen, wenden wir uns nach links und wandern auf ihr durch den Hauptort San Marinos hindurch. Sie mündet auf die von oben kommende Straße. Mit ihr wandern wir nach rechts bergab in Richtung Rimini weiter. Bei km 1,6 verlassen wir den Ort. Über die Via della Cellabella wandern wir am Kreisverkehr weiter geradeaus und kommen nach einem weiteren km an Hotels und einem Camperplatz vorbei. Im Verlauf des km 3 durchqueren wir den kleinen Ort Fiorentino und kommen damit automatisch auf die Straße nach Mercatino Conca. Noch in Fiorentino gelangen wir bei km 4,3 an einen Kreisverkehr. Auch hier geradeaus in die Via del Passetto in Richtung Urbino und Catolica. Wir kommen an einem Supermarkt und an einer Pizzeria vorbei und erhalten bald einen schönen Ausblick einerseits in die Apenninen und andererseits sogar noch einmal bis zur Adria. Mit km 5 verlassen wir das etwas auseinandergezogene Castello di Fiorentino wieder. Km 5,6 bringt uns an den Abzweig nach Monte Tardino, hier gehen wir aber auch weiterhin geradeaus und genießen den letzten Ausblick auf den Felsen von San Marino.
Wir sind jetzt schon gut 250 Meter tiefer als am Anfang der Wanderung. Durch eine kleine Ansiedlung hindurch kommen wir unter einem Begrüßungstransparent mit der Aufschrift „Bienvenutti nella anticha terra della libertà“ hindurch und verlassen damit das Staatsgebiet San Marinos wieder. Wir wandern fortan erneut in Italien weiter, dieses Mal in der Provinz Umbrien.
Das erste Haus in Italien bei km 7 nennt sich Sireniti Haus und weist zur Begrüßung und Erfrischung einen Brunnen vor. Wo wir freien Ausblick genießen können, begeistert uns die neue Landschaft durch ihre sanften Hügel, sattgrünen oder farbenfrohen Blumenwiesen. Der Straße weiter folgend kommen wir bei km 7,5 am Ortsschild von Montelicciano vorbei und folgen den Schildern nach Mercatino Conca weiter, das heißt an der Gabelung 100 m weiter nach rechts. Ich begegnete einer Gruppe radtourender Amerikaner, die ich zunächst für Italiener hielt und mit „Salve“ begrüßte. Bei km 8,5 verlassen wir den Ort wieder, der aber kein einheitliches Ortsbild vorzuweisen hatte. Wir wandern über ländlicheres Gebiet. Bei km 10, nach 2 ½ Wanderstunden treffe ich Michael, der vorgefahren war (wegen seiner Knieprobleme hat Michael für die diesjährige Wanderung vor allem für die Abfahrten ein Fahrrad mitgenommen), wieder und wir machen an einem Feldweg eine gemeinsame Pause.
20 Minuten später machen wir uns wieder auf den kurvenreichen Weg und erreichen mit km 11,4 den Ort Mercatino Conca (275 hm). Am Friedhof des Ortes können wir über Stufen nach links eine Haarnadelkurve abkürzen. Bei km 12 erreichen wir unten die Kreuzung und setzen unseren Weg auf der Straße nach rechts fort. (Sassocorvaro, unser Tagesziel ist mit einem braunen Schild bereits angekündigt). Wir überqueren eine Brücke über den Rio Tassuna, nachdem wir an einem Restaurant vorbei gekommen sind. (Am besten sollte man sich hier noch einmal mit Wasser versorgen!) Es geht natürlich bergauf weiter. Nach 700 m passieren wir den Abzweig nach Montegrimano, das eindrucksvoll hoch über uns thront. So weit hinauf wollen wir aber nicht und bleiben auf unserer kleinen Straße, die uns über eine alte Brücke führt und auch die nächsten 600 Meter lang noch mäßig ansteigen lässt. Bei km 13,7 folgt die nächste alte Brücke, von wo ab wir dem wunderschönen Flussstal des Torrente Conca folgen. Gegen 15.30 Uhr kommen wir mit km 15,3 an einen Abzweig in das Tal hinein (Richtung Valle di Teva und nach Bronzo). Ein paar Ziegen begleiten uns bis zur Brücke über den T. Conca, danach setzen wir unseren Weg allmählich aufsteigend allein über die recht einsame Straße fort. Zunächst wandern wir durch schattigen Wald, kommen bei km 17,1 an einem Abzweig mit Hinweis auf ein Castello vorbei und bewegen uns dann, weiter auf unserer kleinen Straße bleibend, auf die romantisch gelegene Ruine eines alten Hauses zu. Nach weiteren 700 m und etwa ¾ Stunden seit dem Abzweig nach Valle und Bronzo haben wir den Aufstieg (484 m) geschafft und ich gesellte mich zu Michael auf die Wiese, die er kurz vor mir erreicht hatte um ein wenig auszuruhen. In der Nähe befindet sich ein astronomisches Observatorium auf dem Monte Lorenzo.
Leider hatte ich es versäumt, mich vor dem Aufstieg mit genügend Wasser zu versorgen, was für den Rest des Tages noch ein ziemliches Problem werden sollte. Der 360° Rundum-Ausblick in die weite Landschaft ist zwar fantastisch, lässt sich aber mit einem quälenden Durstgefühl in der Kehle nicht ganz so gut genießen. Gegen 17:40 Uhr setzen wir unseren Weg bergab fort. Bei km 19,1 befinden wir uns an der Kreuzung nach Macerata Feltria, haben damit erst 3 km auf dieser Straße geschafft und nach Bronzo noch 6 km vor uns. Ich bemerke die erste Schlange auf dieser Tour, totgefahren. Bis km 21 geht es nun außergewöhnlich steil bergab, bis wir am Abzweig nach Valle di Teva hinauf wieder einen kleinen Fluss erreichen. Die Straße folgt zunächst dem Flüsschen (230 hm), dessen Wasser leider nicht trinkbar ist. Auch andere Zuläufe sind entweder nicht erreichbar oder verlaufen über Tierweiden und liefern kein trinkbares Wasser. Bei km 22,3 folgt wieder eine Brücke, unser Weg bleibt eben oder führt nur leicht bergab. Die Landschaft ist schön, offen und weist teilweise sandigen Fels auf. Bei km 23,4 passieren wir einen Abzweig nach Casteluno. Mein Durst wird immer quälender, so stark, dass ich sogar versucht bin, den Flüssigkeitsrest in einer zufällig am Straßenrand gefundenen Flasche auszutrinken. Doch ich zwinge mich noch einmal zur Räson, denn Bronzo kann nicht mehr allzu weit entfernt sein. Doch ein langer, zuletzt auch noch steiler Aufstieg liegt vor mir. Ich hoffe, eine Bar oder wenigstens einen Brunnen zu finden und darauf, dass ich Michael dort wiedertreffen würde, der vorausgefahren war.
Mit letzter Kraft schleppe ich mich um 17:07 mit km 25,1 nach Bronzo hinein. Einige Frauen sind damit beschäftigt, die Kirche und den Vorplatz zu säubern. Ich torkele mehr oder weniger auf sie zu, frage nach einer Bar und werde negativ beschieden. Erst 5 Kilometer weiter, in Mercatale gäbe es eine solche. Ohne weitere Umschweife bitte ich um Wasser, und eine junge Frau geleitet mich zum nächst gelegenen Haus, holt eine 2 Liter PET-Flasche mit dem köstlichen Nass heraus und reicht sie mir zu. Ich stürze den ersten Liter ohne abzusetzen gierig herunter und will dafür bezahlen. Die junge Frau winkt ab und entfernt sich. Auf dem Weg durch das Dorf treffe ich sie wieder; sie kommt mir mit einer Freundin entgegen. Ich danke ihr noch einmal ganz herzlich und bezeichne sie als meine Lebensretterin.
Einen Kilometer hinter Bronzo mündet mein einsames Sträßchen auf die viel befahrenere Straße, die rechts nach Mercatale führt. Schon bei km 27,5 erreichen wir das Ortsschild von Mercantale. Gegen 19 Uhr und wieder einen Kilometer weiter finde ich mich am Kreisverkehr wieder, den Michael, der inzwischen Quartier gemacht hatte, in seiner SMS erwähnt hatte und bringe geradeaus unterhalb von Sassocorvaro vorbeigehend den letzten halben Kilometer zu unserem guten Hotel an der Hauptstraße in Mercatale hinter mich.
Gewandert am Sonntag, dem 12. Juni 2005 mit Michael auf Fahrrad.
E 11 Ost 09
Lutherstadt Eisleben – Halle an der Saale
Verkehrsverbindungen: Bus und Bahn, halbstündlich
Wegmarkierung: Weißes Andreaskreuz (selten), Roter Balken auf weißem Grund (verlässlicher).
Tourenlänge: 39 km
Wanderzeit: 9,5 Stunden
Höhenangaben: Kaum Höhenunterschiede, vereinzelt leichte An- und Abstiege.
Wanderkarten: Topographische Karte 1:50 000 Nr. 24 „Landkreis Saalkreis/ Stadt Halle (Saale)“ vom Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt.
Gaststätten unterwegs: Lutherstadt Eisleben, Wormsleben km 7, Seeperle (Schiff) und Imbiss im Erholungsgebiet östlicher Süßer See km 12, Rollsdorf km 15, Zappendorf km 24 (nicht direkt an unserem Weg), Köllme km 25, Halle Neustadt km 32, Halle km 37
Übernachtung: Lutherstadt Eisleben, Wormsleben km 7, Zappendorf km 24 (nicht direkt an unserem Weg), Halle-Neustadt km 32, Halle km 37
Sehenswertes: Lutherstadt Eisleben: s. Wanderung 8. Süßer See. Naherholungsgebiet mit zahlreichen Sportmöglichkeiten in Umgebung von Weinbergen und Obstplantagen. Seeburg: Burganlage z.Zt. Restauration und Umwandlung in Eigentumswohnungen. Halle an der Saale: 265 000 Einwohner. Bedeutende Universitätsstadt. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das mittelalterliche Rathaus, die Moritzkirche (14.-16. Jahrhundert), die Moritzburg (15./16. Jahrhundert; 1637 zerstört) und der Dom (13. Jahrhundert; im 16. Jahrhundert umgebaut). Auf dem Marktplatz befindet sich der Rote Turm (15. Jahrhundert) und eine Statue Georg Friedrich Händels, der 1685 in Halle geboren wurde. Der Name Halle leitet sich ab von der Salzgewinnung, die schon seit der Bronzezeit betrieben wird.
Wegbeschreibung:
Nach der morgendlichen Anreise mit dem Auto machen wir uns um kurz nach 10 Uhr vom Bahnhof Eisleben aus wieder auf den Weg. Zunächst gehen wir rechts den Bahnhofsring hinunter, biegen wieder rechts in die Bergmannsallee ein, die uns zur Schillerstraße bringt. Auch hier wieder rechts. An einer Erweiterung bei km 1 (Gaststätte Zum Kumpel) geht die Schillerstraße über in die Straße des Aufbaus. 400 m weiter stoßen wir auf den Sonnenweg, der uns bergab an die Hallesche Straße (B 180) bringt. Wir folgen ihr nach rechts in Richtung Halle ein Stückchen, bis wir links in die Weinheimer Straße (km 1,8), in ein Industriegebiet, abbiegen können. Nach 200 m können wir rechts in die Herner Straße abbiegen, die uns nach 600 m an einen Kreisverkehr führt. Genau gegenüber wandern wir über die Alleebreite weiter durch zum Teil noch brach liegendes Industriegebiet. Bei km 3,2 erreichen wir mit der Unterrißdorfer Straße das Ende des Gewerbegebiets und gehen über ein leichtes Gefälle zu einer Autobahn- oder Schnellstraßenbrücke hinunter. Haben wir diese unterquert, sind wir schon fast in Unterrißdorf (km 3,9; 10 Uhr 45).
Die erste, nach rechts abbiegende Straße ist die Lutherstraße; die Schilder weisen auf Wormsleben hin, wir folgen ihnen durch die lange Reihe zweistöckiger, eng beieinander stehender Häuser, die teils renoviert, teils noch im klassischen DDR-Grau dastehen. Etwas zurückgesetzt liegt die Kirche. Bei km 4,6 verlassen wir den unspektakulären Ort wieder. Wir befinden uns auf der Weinstraße, der ostdeutschen Kopie einer klangvollen Bezeichnung westdeutscher Landschaften. Aber immerhin hat man sogar den Straßenrand am Friedhof mit schön blühenden Blumen bepflanzt.
Hinter dem Friedhof stoßen wir auf den Original-E11, den wir in Eisleben wegen des Wegs zum Bahnhof aus den Augen verloren hatten. Er muss also nördlich von Eisleben verlaufen sein. Wir bewegen uns nun auf einer Fahrstraße durch ein Tal, das links von einem niedrigen, aber lang gestreckten Gebirgszug begrenzt ist, an dessen Hängen tatsächlich Wein angebaut wird. Nach einer guten Wanderstunde kommen wir mit km 5,3 an einer Rastanlage mit Gedenktafel an Martin Luther vorbei. Hier soll er auf letzter Fahrt gefroren haben. Wir schwitzen heute auch nicht gerade. Für Juni ist es empfindlich kühl. Weder Pulli noch Regenjacke möchte man im Rucksack verstauen.
Km 6,1 führt uns um 11 Uhr 22 nach Wormsleben hinein. Ein Pferdefuhrwerk, aus einem alten Trabi zusammengebastelt, kommt uns entgegen. Über die Unterrißdorfer Straße, die hiesige Hauptstraße, durchwandern wir den kleinen Ort. Bei km 6,6 macht die Straße an einem großen Backsteingebäude einen Knick nach links. Am Ende dieses Gebäudes biegen wir links in den Seeweg ein, der uns sogleich am Westernland-Haus vorbei bringt, einer Gaststätte mit Fremdenzimmern. Gegenüber befindet sich eine große Rastanlage mit Grillplatz. Km 6,9 bringt uns aus dem Ort wieder heraus, wir wandern jetzt auf einem für den KfZ-Verkehr gesperrten Asphaltweg durch das Landschaftsschutzgebiet Süßer See. Ein Polizeiauto auf Patrouille kommt uns bald entgegen. Wir haben hier jetzt noch eine zusätzliche Markierung: den grünen Balken auf weißem Grund, vermutlich für den Radwanderweg nach Halle.
Bei km 7,5 geht nach rechts ein Schotterweg ab, auf dem man zum südlichen Ufer des Süßen Sees gelangen kann. Wir haben kurz hineingeschaut um über den See blicken zu können. Zurück am Nordufer setzen wir unseren vorherigen Weg aber fort, der mit dem E 11 identisch ist. Markierungen vermissen wir jedoch. Auch der Weg am Nordufer gibt bald Blicke auf den See frei. Beliebt ist die Strecke nicht nur bei Radfahrern, sondern vor allem anscheinend bei den Inlineskatern. Bei km 10,1 findet sich eine Art kleiner Kreisverkehr, bis zu dem die Straße von der anderen Seite wieder befahrbar ist. Wir sind hier dicht am Wasser und nutzen die Gelegenheit zu einer Pause. Nach einer knappen halben Stunde wird diese Pause durch plötzlich einsetzenden Regen leider jäh unterbrochen, so dass wir in voller Regenmontur unseren Weg fortsetzen. Nach 700 m kommen wir an dem kleinen Segelclub vorbei, daran schließt sich ein Campingplatz an (km 11,3). Einen halben Kilometer weiter haben wir den ersten Ausblick auf die Seeburg am Ostufer. Gleich darauf erreichen wir hinter der DLRG Wasserrettungsstelle eine Feriensiedlung mit der Seeperle, einem großen Schiff, das an Land steht und als originelles Restaurant dient. Dahinter befindet sich ein Imbiss-Restaurant und ausgedehnte Wiesen und Rastanlagen am Seeufer. Von dort haben wir auch den schönsten Blick auf die auf einer Halbinsel gelegene Seeburg. Wir kommen an der modernen Anlage Saunadom vorbei und verlassen an der Querstraße (km 12,3) das mit Strandbad bezeichnete Erholungsgebiet. Rad- und Fernwanderweg setzen sich nun eigentlich nach links fort, doch wir wollen etwas von Seeburg sehen und wandern deshalb nach rechts, auf dem Betonfußweg der kaum befahrenen Zufahrtstraße am östlichen Seeufer entlang in den Ort (Beginn: km 12,7).
Zunächst gehen wir ab km 13 an den eindrucksvollen Mauern der Burg entlang, zu der wir auch vorher gelegentlich schon Ausblick hatten. Wir besichtigen kurz, was es für uns zu besichtigen gibt. Das ist nicht viel, denn man versucht, die Burg stückweise in Form von Eigentumswohnungen zu verkaufen. Der dahinter liegende Teil des Ortes ist der touristisch interessantere; es gibt eine kleine Uferpromenade (km 13,5), Restaurants, Pensionen und einen sehr schönen Blick über den See und zur Burg.
Wir biegen links ab auf die kleine Straße der Freundschaft nach Rollsdorf. Hinter Seeburg ist sie noch gepflastert. Ein technisches Denkmal findet sich bei km 14,4: ein merkwürdig runder Stein mit der Aufschrift ½ Meile. Nach einem leichten Anstieg kommen wir auf eine mit Datschen ziemlich zersiedelte Hügelkette zu. Zuvor passieren wir einen Hof mit abgewrackten Fahrgeschäften, gegenüber befinden sich leicht verwahrloste Stallungen. Rechts taucht ein kleinerer See auf; wohl Reste des einstigen großen Salzigen Sees, den wir auf einer Karte gesehen hatten. Mit km 15,3 kommen wir nach Rollsdorf hinein, das den Gast gleich mit der Möglichkeit, einen Weinkeller zu besuchen und Weinproben einzunehmen, begrüßt. An der Bushaltestelle treffen wir wieder auf den Wanderweg, der ab hier auch wieder auf der wenig befahrenen Straße verläuft. Hinter dem kleinen Ort geht es leicht bergauf und an km 15,8 erleben wir ein Novum unserer Wanderungen: es ist ein Tisch am Straßenrand aufgebaut, der mit Weinflaschen zur Selbstbedienung vollgestellt ist. Nach einem kleinen Anstieg kommen wir bei km 16,2 am Abzweig nach Höhnstedt vorbei, danach wandern wir neben Weinterrassen wieder abwärts. Bei km 16,8 befinden wir uns an einem Abzweig nach Eisleben und nach Wansleben am See. Gegenüber scheint, im Nachhinein betrachtet, der Rad- und Wanderweg nach links auf einen unscheinbaren Weg durch die Kleingärten links des Baches hindurchzuführen. Michael hatte den Hinweis ganz übersehen und ich hatte die Stellung des Schildes als in Richtung Langenbogen über die Straße missgedeutet. So kamen wir beide unabhängig voneinander auch über diese nach Langenbogen hinein. Zuvor passierten wir bei km 17,6 eine provisorische Stahlbrücke zur Straße nach Höhnstedt, über die man in einem Umweg auch noch den Radweg hätte erreichen können.
Um 14:40 Uhr mit km 18,3 komme ich am Ortsschild von Langenbogen vorbei, jedoch gehe ich lange nur an einer Neubausiedlung entlang, ehe ich bei km 19,2 den Ort über die Leninstraße erst richtig betreten kann. Bei km 15,5, am Abzweig nach Halle und Teutschenthal warte ich auf einer Bank darauf, dass Michael zurückkommt. Gemeinsam gehen wir links in die Paul-Schmidt-Straße um weiter oben die Fährte auf dem Radwanderweg wieder aufzunehmen. Vor dem Sportplatz biegen wir dazu rechts ab und betreten einen schönen Schotterweg, der uns alsbald in die freie Natur hinausführt. An der Weggabelung hinter den letzten Häusern müssen wir geradeaus auf dem ebenen Weg weiter gehen. Bei km 20,5 haben wir eine relativ scharfe Linkskurve und gehen kurz nach Nordwest. Es gefällt uns auf dem Weg über Wiesen und Pferdeweiden in einer auffallend üppigen Vegetation. Immer wieder kommen wir an Schautafeln über Fauna und Flora des Salzatales vorbei. Die Talform wird auch immer wieder deutlich. Ab km 22,1 haben wir die Teiche hinter uns gelassen, die Landschaft lichtet sich, wir kommen nach einer Rechtskurve an einer alten Fabrik vorbei. Bald biegt der eigentliche Weg wieder nach links ab, wo sich die ersten Häuser von Zappendorf (km 23,1) und, laut Karte auch eine Übernachtungs-möglichkeit befindet. Wir erkennen, dass wir geradeaus nach Köllme ein gutes Stück abkürzen können, denn der Originalweg würde auch dorthin führen, nur um den Berg herum statt mittendrüber. So steigen wir also für die 900 m nach Köllme leicht bergauf, genießen den Ausblick und steigen dann steil wieder bergab. Noch eine Linkskurve und wir sind schon wieder am Wanderweg, mit dem zusammen wir bei km 23,9 um 16 Uhr 3 den Ort erreichen. Wir überqueren einen kleinen Bach und wenden uns gleich nach links auf dem Landwirtschaftsweg. Diese Straße wird zum engen Fußweg, führt an einem Spielplatz vorbei und stößt nach links auf die Straße durch den Ort. An der nächsten Straße, der Bennstedter Straße biegen wir rechts ab. Der Karte nach müssen wir auf der Straße bleiben, die Schilder schicken uns aber bald wieder nach links auf einen Feldweg. Dieser dient nur dazu, die Straße zu umgehen. Da kaum Verkehr ist, entschließen wir uns, auf der Straße zu bleiben. Wir verlassen den Ort und kommen an einem Haus an eine Rechtskurve der Straße nach Bennstedt. Hier gehen wir geradeaus auf einen mit groben Steinen schlecht gepflasterten Weg. Bald treffen wir wieder mit der Straßenumgehung des E 11 zusammen und setzen unseren Weg geradeaus fort.
Mit km 26 kommen wir an einem alten verlassenen Bauernhof vorbei, mit Turm und einer Kompostanlage. 300 m weiter gibt es eine Weggabelung an einer Waldecke, an der wir links bleiben. Danach taucht der nun steinlose Weg scheinbar unter die Felder. Mit km 27,5 erreichen wir einen Querweg und legen uns hier zur Rast nieder. Es herrscht relativ starker Radfahrerausflugsverkehr. Noch 600 m wandern wir bei herrlichstem Wetter übers Feld, bevor wir in den inneren Waldrand eintauchen. Eigentlich biegt der E 11 fast unsichtbar rechts weiter in den Wald hinein ab, um einen Bogen nach Süden zu schlagen, aber wir gehen auf dem Radweg am Waldrand weiter. Dort, wo der E 11 dann wieder laut Karte nach links und nach Lieskau abbiegt, gehen wir rechts. Inzwischen haben wir eine erste Siedlung von Halle (km 28,7) erreicht und befinden uns auf dem Köllmer Weg.
17:45 Uhr biegen wir bei km 29 nach rechts in den Wald, in den Granauer Weg ein. 800 m weit gehen wir dabei durch den Wald nach Süden, kommen dann wieder über Felder und über einen Hügel, wo wir einen ersten Blick auf die Hochhäuser von Halle-Neustadt erhaschen können. Bei km 30,3 erreichen wir einen Parkplatz an einer Teerstraße, über die wir ein paar Meter gehen, bis wir die Eislebener Straße betreten. Auf ihr gehen wir bergab, bald über Fußwege in die Stadt. Bei km 31,6 entschließen wir uns, rechts in die Quellgasse abzubiegen. An ihrem Ende kommen wir an den Braunschweiger Ring und erreichen dann über die Wolfsburger Straße das monströse Halle-Neustadt. Wir wenden uns nach links und beginnen nun damit, die Magistrale zu bewandern.
Es ist eine endlos lange breite Straße durch riesige Plattenbauten hindurch. Immer wieder Hochhäuser, Kaufhäuser. Manche Plattenbauten stehen verlassen da, die Scheiben eingeworfen, die Eingänge teils sogar zugemauert. Andere sind einigermaßen renoviert. Kinder spielen davor; sie werfen mit Steinen auf alles, was Krach macht und damit Spaß, nach ihrer Ansicht. Das können Teile des Hauses sein, Autos, ja sogar Menschen. Fast 3 ½ Kilometer weit ist es bis zum Ende der Magistrale, das wir direkt herbeisehnen. Das Saale-Center, ein riesiges Einkaufszentrum markiert das Ende, wo gleich neue Schwierigkeiten auftauchen. Zu Fuß darf man die Saalebrücke nicht passieren. Wir fragen uns durch.
Unter der Autostraßenbrücke links geht es hindurch und dort, wo die Straßenbahn fährt, können wir nach rechts über die Brücke laufen und erreichen damit die eigentliche Stadt Halle. (Fahradweg ist rot ausgeschildert). Um 19:22 Uhr mit km 36,2 kommen wir endlich über die Saale hinüber. An Karstadt vorbei gehen wir über die Mannsfelder Straße in Richtung Altstadt. Nach einem halben Kilometer kreuzen wir die Straßenbahngleise und überqueren die Brücke über den kanalisierten Teil der Saale. Noch bleiben wir auch hier auf der Mannsfelder Straße, kommen am neuen Gebäude des MDR vorbei und schwenken kurz nach rechts in den Hallorenring ein, um dann wieder links auf die Kirche zuzustreben. Gesang, der uns den Austragungsort des Händelfestivals verrät, lässt uns kurz innehalten, dann biegen wir hinter dem einsamen Kirchturm, dem die Kirche abhanden gekommen ist, auf den Marktplatz ein. Georg Friedrich Händel begrüßt uns von seinem hohen Sockel herab und weist uns den Weg um die gegenwärtigen Baustellen herum in die Leipziger Straße (neben dem Rathaus). Die lange Fußgängerzone hinab erreichen wir wieder eine Großbaustelle, hinter der sich schließlich der Bahnhof (km 39; 20 Uhr) versteckt.
Wir haben noch 20 Minuten, ehe unser Zug nach Eisleben abfährt. Ich bin ganz schön kaputt. Auch Michael, der das meiste wegen seiner Knieprobleme mit dem Fahrrad hinter sich brachte, ist immerhin 12 km gewandert. Zuhause kommen wir erst kurz vor Mitternacht an. Für Eintagestouren ist nun auch der Weg nach Osten zu weit geworden, dachten wir zuerst, aber jetzt sieht alles schon wieder ganz anders aus...
Gewandert am Sonntag, dem 21. November 2004 mit Michael
E 11
West 11
Wiehengebirge
Lübbecke-Nettelstedt – Neue Mühle
Verkehrsverbindungen: Bahn (private Eurobahn) bis Lübbecke, dann Bus nach Nettelstedt
Wegmarkierung: Erst „Gesicht“ bis E 11, dann rot-weiß-rot, bzw. rot-weiße Querbalken.
Tourenlänge: 17 km
Wanderzeit: 5 Stunden.
Höhenangaben: Vom Freilichttheater Nettelstedt (110 hm) geht es mäßig steil bergauf zum E 11 zurück. Dort beginnen wir mit einer Kammwanderung im Bereich zwischen 200 und 307 (Maximum) Höhenmetern. Am Ende steigen wir nach Neue Mühle auf 67 hm wieder ab (Minimum). Insgesamt steigen wir 1943 m auf und 1975 m ab.
Wanderkarten: Freizeitkarte NRW 1: 50 000 Nr. 2 Minden-Lübbecker Land ISBN 3-89439-472-2
Gaststätten unterwegs: Nettelstedt km 24, Bauerncafé am Reineberg km 7 (etwas abseits), Freilichttheater Kahlewart km 10 (nur Sommer), Neue Mühle km 17 (Gaststätte schloss Ende November 2004).
Übernachtung: Nettelstedt km 24, ziemlich am Anfang des Weges südlich davon Wanderheim Haus Reineberg. Direkt am Wege keine Übernachtungsmöglichkeit. Von Neue Mühle ist nichts bekannt, auch nicht von Rödinghausen. Evtl. mit der Bahn nach Lübbecke oder Bünde.
Sehenswertes: Nettelstedt: 75 Jahre alte Freiluftbühne mit Turm, bekannter Handball-Bundesliga Verein, Steinbruch km 2, Freilichttheater Kahlewart (auch Oberbauerschaft).
Wegbeschreibung
Unser Auto parkten wir direkt am Parkplatz der Freilichtbühne von Nettelstedt, oberhalb des Ortes bereits in 110 m Höhe. Wir gehen zunächst die wenigen Meter bis zur Bühne hinauf. Jetzt im Herbst sieht das Umfeld nicht sehr attraktiv aus. Es wird gebaut. Weglos steigen wir rechts an der Bühne hinauf bis zu einem Turm, der zum Theater gehört. Ob er bestiegen werden kann, ist uns unbekannt. Auf jeden Fall bietet er aber einen weiten Blick ins Land, wie auf der Internetseite der Freilichtbühne zu sehen ist. Weiter weglos bergauf und die kleine Kuppe überwindend finden wir unter uns den Weg wieder, auf dem wir das letzte Mal nach Nettelstedt abgestiegen sind. Wir folgen der Markierung mit dem angedeuteten Gesicht hinauf bis zu dem Weg, auf dem wir gekommen waren, gehen dort kurz links und biegen an der Ruhebank gleich wieder nach rechts ab. Wir bewundern einen riesigen Pilzring und gehen weiter bergauf. Hinter einer Lichtung, an der wir eine Stromleitung unterqueren, biegt ein Weg im 8 Uhr Winkel nach links ab. Er kreuzt die Lichtung erneut und bringt uns mit km 1,4 (240 hm) zum E11.
Wir biegen also rechts in den E 11 (rot-weißer Balken) ein und folgen dem belaubten Pfad leicht bergauf. Es ist nebelig und kalt und wir kommen bald in leicht schneebedeckte Höhenlagen hinein. Aber die Stimmung, die das Wetter in uns erzeugt, ist eher Wohlbehagen. Wir befinden uns wieder auf einem Kammweg des Wiehengebirges, das zum Naturschutzgebiet Nördlicher Teutoburger Wald gehört. Wir bleiben zunächst auf diesem Kammweg. Er bringt uns bei 246 hm an einen durch Zäune gesicherten Steinbruch, von dem wir den schönen Ausblick wegen des leichten Nebels nur erahnen können. Bei km 2,8 (207 hm) passieren wir einen Querweg, der ins östliche Lübbecke (Kamp) hinabführt. Auf der anderen Seite kann man vermutlich das Haus Reineberg erreichen. Dahinter geht es für uns in einem ausgeprägten Hohlweg weiter, der an die erste Schutzhütte heran führt, an der wir erstmals rasten.
Auf geradem Weg gehen wir danach wieder leicht bergauf, erreichen bei km 3,7 eine Stelle, an der der Kammweg scheinbar enden will. Nach links gehen wir ein wenig bergab und schwenken dann nach rechts auf die Fortsetzung des Kammwegs quasi als Saumweg am südlichen Rand des Wiehengebirges. An diesem Rand halten wir uns, das heißt, dass wir uns an der Einmündung des folgenden Weg links halten. Inzwischen ist die Sonne durchgekommen und bringt Eis und Schnee zum Schmelzen. Überall fallen nicht nur Wassertropfen von den Bäumen sondern auch richtig große Eisstückchen, die sogar schmerzen können, wenn sie uns am Kopf treffen. Es sind einige Wanderer unterwegs an diesem schönen Sonnentag.
Bei km 4,8 und 280 hm erreichen wir die zweite Hütte, an der wir uns aber nicht lange aufhalten. Wieder ein kleines Stück nach links versetzt geht es weiter. Wir kommen an ein paar kleinen Gebäuden vorbei, die zu einem Sendemasten gehören. Kurz verweilen wir auf dem geteerten Zufahrtsweg, biegen aber gleich wieder nach links auf den schmalen Weg durch die Tannen ein. Ab km 5,5 beginnen wir nach gut zwei Wanderstunden mit dem Abstieg zur Straße zwischen Kirchlengern und Lübbecke. Dazu kommen wir auf einem steileren Teerweg auf einen Querweg nach links, danach wieder links bis an einen kleinen Platz (km 6,4) mit Hinweisschild auf den Reineberg mit ehemaliger Burg und auf ein Bauerncafé am Berg. Hier gehen wir rechts weiter bergab und kommen mit km 6,6 an einem einsam gelegenen Wohnhaus vorbei an die oben erwähnte Straße. Wir gehen kurz links und überqueren sie zunächst über eine etwa 20 Meter hohe Fußgängerbrücke (Wittekindsbrücke). Dahinter wandern wir auf dem Weg nach rechts bis auf das Niveau der Straße hinunter (175 hm). Auf derselben Seite kommen wir auf einen bergauf führenden Wanderweg (Wiehengebirgsweg), den wir durch eine Schranke betreten. Er bleibt zunächst parallel zur Straße. Bei km 7,6 kommen wir kurz aus dem Wald heraus, gehen an der Weggabelung rechts und an der kurz darauf folgenden geradeaus weiter. An der nächsten Gabelung 800 m weiter gehen wir ebenfalls geradeaus weiter. Weitere 200 m später erreichen wir eine Wegespinne. 6 Wege treffen hier aufeinander. Wir gehen etwa im 1 Uhr Winkel durch Tannenwald weiter. Bei km 9,1 mitten im Tannenwald müssen wir nun an einer erneuten Gabelung nach rechts abbiegen. Nach einem halben Kilometer haben wir einen kleinen Hügel erklommen und biegen dort nach links in einen bergab führenden Hohlweg ein. Links weist uns ein alter, verwitterter Markierungsstein den Weg zur Neuen Mühle. Bald erreichen wir sozusagen eine Wegegabel mit drei Zacken. Wir wählen den linken Zacken, gehen bis km 10,2, wo wir an der nächsten Gabelung rechts an einer Schranke vorbei müssen und gleich danach im 7 Uhr Winkel links auf einen Asphaltweg. Dieser bildet die Grenze zwischen Tannen- und Buchenwald. 300 m weiter erreichen wir die schönen Fachwerkgebäude der Freilichtbühne Kahlewart. Durch das Tor betreten wir die Anlage und gehen bis zum Zuschauerplatz durch. Das kleine Dorf ist jetzt völlig verwaist. Durch das Kulissenhaus links vom Parkett gehen wir die Treppen zur Kasse hinunter und dann über Stufen weiter hinab bis zum Parkplatz an der Straße zwischen Oberbauerschaft und Obermehnen (225 hm). Über den Parkplatz wandern wir ganz bis an dessen Ende. Geradeaus und bergauf führend setzt sich unser Fernwanderweg fort. Nach einer Schranke gelangen wir an eine Weggabelung, an der wir links weiter bergauf gehen. An einem Platz mit gelbem Gasleitungspfosten bei km 12,5 wählen wir wieder einen geteerten Weg, der uns nach rechts (2 Uhr Winkel) relativ steil aufsteigen lässt. Am Ende des Anstiegs folgt eine Rechtskurve, nach der wir auf eine Weggabelung treffen. Hier gehen wir links weiter leicht bergauf und erreichen eine sehr schöne Stelle mit Lichtung und Wiesen nach Süden am Waldrand. Hier finden wir wieder eine Wegespinne mit 6 zusammentreffenden Wegen vor und gehen im 11 Uhr Winkel durch dichten Tannenwald weiter. Am folgenden Querweg (km 13,6) biegen wir links ab und wandern abwärts in einen Buchenwald hinein. Dort nehmen wir den Querweg nach rechts, der uns bei km 14 an die nächste Schutzhütte, die Glösinghauser Hütte, führt. Hinter der Schranke wandern wir im Wald westlich weiter. An der Dreiwegegabelung wählen wir anschließend den mittleren Weg, der mit einem dem Rennsteig-R ähnlichen Zeichen versehen ist. Ab km 15 neigt sich dieser Kammweg so langsam abwärts und wir beginnen mit dem Abstieg zur Neuen Mühle. Unsere Ausgangshöhe liegt bei 230 hm. Mit km 16 erreichen wir eine Ruhebank (150 hm) und dort einen schräg einmündenden Weg, dem wir nach Geradeaus und weiter bergab folgen. Wir gehen einen Knick nach Norden mit, bis wir einen ebenfalls abknickenden breiten Weg tangieren, von dem ein kleinerer Weg aber gleich im 8 Uhr Winkel wieder fortführt. Auf diesem Weg erreichen wir um 15 Uhr 28 bei km 16,8 und einer Höhe von 67 m unser Tagesziel Neue Mühle. Über die Brücke überqueren wir die Eisenbahnlinie zwischen Bünde und Lübbecke, wo sich auch eine Haltestelle der privaten Eurobahn befindet. Eine knappe Stunde Wartezeit auf unseren Zug zurück verbringen wir in der Gaststätte Neue Mühle und erfahren dabei ganz nebenbei, dass sie in den nächsten Tagen für immer geschlossen werden soll. Wären wir eine Woche später gekommen, hätten wir uns hier nicht mehr bei einer Tasse Kaffee oder Suppe aufwärmen können. Die Rückfahrt kostete 3 € 30 und war schnell erledigt. Tickets gibt es nur noch im Automaten im Zug. Die Beschilderung am ZOB in Lübbecke war so schlecht, dass wir annehmen mussten, dass wider Erwarten doch kein Bus nach Nettelstedt mehr fahren würde. Wir gingen den weiten Weg (ca. 8 km) dann zu Fuß und waren immer noch viel eher am Auto als wenn wir mit dem Bus gefahren wären, der aber doch noch fuhr.
Hier noch die letzte Etappe in diesem Jahr auf unserem Weg nach Rom: gewandert am Freitag, dem 21. Mai 2004
Landstraßen
Süd 64 Seite 1
Adriaküste / Apenninen
Rimini (I) - San Marino (SM)
Verkehrsverbindungen: Bus
Wegmarkierung: Keine
Tourenlänge: 28 km
Wanderzeit: 7 Stunden
Höhenangaben: Von Meereshöhe in Rimini geht es sehr flach leicht bergauf. Über die Hügelkette südlich von Pomposa bin ich steil auf etwa 100 m emporgestiegen um die Superstrada zu umgehen. Von dieser Kette steigen wir wieder ab. Danach folgt eine nennenswerte Steigung erst wieder auf dem Staatsgebiet von San Marino, auf dem Weg hinauf nach Falciano. Es geht weiter über Hügelland auf und ab und erst ab Domagnano geht es steiler, ab Borgo Maggiore ziemlich steil bergauf ins bis zu 740 m hohe San Marino.
Wanderkarten: Belletti Editore: Rimini 1:55 000 mit San Marino, zu beziehen über www.bellettieditore.com
Gaststätten unterwegs: Rimini, Pomposa km 4, Falciano (SM) km 16, Domagnano km 22, Borgo Maggiore km 26, San Marino km 28
Übernachtung: Rimini, Falciano km 16, Domagnano km 22, Borgo Maggiore km 26, San Marino
Sehenswertes: Rimini s. Wanderung Nr. 63, San Marino: Mit einer Fläche von nur 61 Quadratkilometern ist die Republik San Marino einer der kleinsten Staaten Europas. Er ist vollständig von italienischem Gebiet umschlossen. Das ganze Land hat rund 28 000 Einwohner, Landeshauptstadt ist San Marino mit 4 400 Einwohnern. Von Nord nach Süd erstreckt sich das Land auf einer Länge von 12 Kilometern. Geologisch wird San Marino vom 739 Meter hohen Monte Titano beherrscht, der weite Ausblicke an die Adria und über den Appennin gewährt. An seinen Gipfeln befinden sich die Burganlagen San Marinos. Neun weitere Orte teilen sich das übrige Staatsgebiet. Gegründet wurde der Staat der Überlieferung nach im 4. Jh von dalmatinischen Christen unter Führung des heiligen Marinus, eines Maurers. Er soll vor der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian hierher geflohen sein. Die Unabhängigkeit des Zwergstaates wurde 1549 anerkannt, 1599 gab er sich eine Verfassung, die im Wesentlichen noch heute gültig ist. Danach besteht ein Parlament aus 60 Abgeordneten, die für 5 Jahre gewählt werden. Die Legislative bildet ein 10köpfiger Staatsrat, während die zwei Kapitäne die Staatsoberhäupter sind. 1897 schloss San Marino mit Italien einen Freundschaftsvertrag, der 1953 erneuert wurde. Borgo Maggiore: unterhalb der Hauptstadt gelegen und mit ihr durch eine Schwebebahn verbunden, besitzt der Ort ein Feuerwaffenmuseum, ein Museum für Numismatik und Philatelie und das Garibaldi.Museum. Die Stadt San Marino weist ein mittelalterliches Bild auf und liegt am Hang des Monte Titano unterhalb der Burg. Sie ist noch immer von einer alten Stadtmauer umringt. Man betritt sie durch die Porta San Francesco aus dem 15. Jh. Gleich rechts befindet sich das Museo de la Tortura, in dem es mittelalterliche Folterinstrumente zu sehen gibt (wer's denn mag). Über die engen Gassen mit den vielen kleinen Läden (vorwiegend natürlich Andenken) schlendert man langsam zur Burganlage empor. Unterwegs kann man die Kirche San Francesco (ab 1361 erbaut) mit ihrer Pinakothek besichtigen. Sehenswert ist die Piazza della Libertá mit einer Freiheitsstatue von Galletti (1876) und dem Palazzo del Governo. Lohnend: der Große Saal. Die Gebeine des Staatsgründers Marinus werden in der Basilica di San Marino aufbewahrt. Die uneinnehmbare Festung auf dem Rocche gliedert sich in drei miteinander verbundene Bereiche: die Rocca Gualta (11. Jh.), die Rocca Cesta (13. Jh.), auf dem höchsten Punkt des Berges (745 m), die ein Waffenmuseum beherbergt, und die Rocca Montale (13. Jh.)
Wegbeschreibung:
Mit leichtem Rucksack, denn das meiste Gepäck lasse ich im Hotel Villa Lalla (Michael bringt es in das andere Hotel und kommt mit dem Bus nach), mache ich mich um halb neun Uhr auf den Weg. Es geht in die Viale Sauro, wo ich meine Vorräte für die Wanderung in einem kleinen Laden ergänzen kann. Nach 400 m endet die Straße und ich gelange in einen Park. Auf dem Querweg rechts gehend komme ich bald unter einer Eisenbahnunterführung hindurch, dann geht es ein ganzes Stück bis zur Viale Roma geradeaus durch den schmalen Park. Die Straße erreiche ich bei km 1, überquere sie und biege gleich rechts ab in die Viale Tripoli ab. Auch dieser Straße folge ich bis zu ihrem Ende; sie geht über in die Via Fiera. San Marino ist hier bereits ausgeschildert. Es geht am Kongresspalast vorbei, wo gerade der Kongress der Zahnärzte beginnt. Ein paar verspätete Dentisten hasten an mir vorbei. An einem Kreisverkehr wandere ich geradeaus weiter. Bei km 3 habe ich den Rand der Stadt erreicht. Dort enden auch so gut wie alle Möglichkeiten, zu Fuß weiter zu gehen. Ich muss geradeaus und über die Autobahnbrücke nach Pomposa. An der Straßenkreuzung folge ich der Via Grotta Rossa geradeaus. Sie führt am Rande des Ortes entlang. Wir könnten bald rechts abbiegen in Richtung auf das Santurio delle Grazie, wonach wir links gehen, auf den Palazzo Turchi zu. Ich bin erst später, bei km 4,8 und nach 1 ¼ Wanderstunden rechts in die Via della Fontanina abgebogen. Es geht steil nach oben, dann um eine Rechtskurve (links ist nur eine Zufahrt auf ein Grundstück) herum. Nach der anschließenden Linkskurve treffe ich auf die Via Castellazio, auf die ich links abbiege. Gleich erreiche ich die Villa Balcone. Nach der Villa Belvedere mit sehr schönem Garten geht es nach links schon wieder leicht bergab. Mit km 6 komme ich an der Villa Zavaglia vorbei und wandere über die Via Borgo Marino Richtung Rimini weiter bergab. Über offene Felder und Weinberge habe ich noch sehr schöne Ausblicke. In einer kleinen Ansiedlung (Cella Rossa) versuche ich erst, auf der Querstraße rechts weiter zu gehen, muss aber umdrehen, da die Straße unten an Grundstücken abrupt endet. Also: gleich links herum. Nach einer Rechtskurve mündet das Sträßchen auf eine Querstraße, auf der es wieder nach rechts weiter geht. An der Verbindungsstraße zur Superstrada gehe ich allerdings dann doch geradeaus weiter und kann so noch einige Kilometer eine wenig befahrene Nebenstraße bewandern. Richtige Auskünfte bekommt man nicht. Die Orte haben keine Namensschilder mehr und die Leute, die man um Rat fragt, wissen anscheinend auch nicht so genau, wo sie wohnen.
Bei km 9,6 folgt der Abzweig nach Cerasolo an der Ausa, wo ich links die letzten erkämpften Höhenmeter wieder zurückgebe und über einige Kurven und durch La Zingarina zu dem Bach Ausa (km 10,8) hinunterwandere. Wie erwartet, ist es nicht möglich, gleich hinter der Brücke rechts auf einem Feldweg weiter zu wandern, obwohl die Karte diese Option bereithält. Stattdessen lande ich auf der Superstrada und folge ihr nach rechts. Nach Karte richtig, für die Realität zu früh bin ich nach 800 m links abgebogen. In einem Antiquitätenladen fragte ich nach dem Weg und man meinte, ich könne geradeaus weiter gehen und würde nach wenigen hundert Metern, unter der rot-weißen Stromleitung hindurch im Staate San Marino sein. Ich tat wie mir geheißen ward und betrat das kleine Land. Doch da der Weg blind an einer Fabrik endete, kehrte ich sogleich nach Italien zurück und begab mich gezwungenermaßen wieder auf die Superstrada. Ich war nahe dran zu resignieren und auf dieser furchtbaren Straße die verbleibenden 13 Kilometer abzulatschen, so wie man es in Italien halt macht und wie mir immer wieder angeraten wurde. Doch dann entdecke ich doch noch einen Abzweig nach Falciano (km 13,3) und betrete zum zweiten Mal in kurzer Zeit das Land San Marino. Dieses Mal konnte ich darin bleiben. Jedenfalls zunächst. In den Ort geht es bergauf. Einen offiziellen Grenzübergang gibt es nicht, lediglich ein paar Hinweisschilder, dass man im Kleinstaat nirgends über 70 km/h fahren darf, weisen darauf hin, dass man das Land betreten hat. Um 12 Uhr 5 und bei km 13,7 bin ich also im Zielland der diesjährigen Wanderung angekommen.
Über die Strada Rovereta wandere ich durch Falciano hindurch. An der Straßengabelung wähle ich den weiteren Anstieg über die Strada Gianetta. Sie endet bei km 16,8, ich gehe rechts weiter. Der erste Eindruck von San Marino ist positiv, was den Lebensstandart angeht; es macht einen recht wohlhabenden und sauberen Eindruck. Bei km 17,7 komme ich an eine Straßengabelung und lege in einem Restaurant eine Pause ein. Auf Anfrage soll ich links weiter gehen und mich auch weiter eher links halten. Einmal einen Hügel erklommen, geht es auch schon wieder hinab. Aber es ist wunderschön hier, so als ob man in der Schweiz wandern würde. Ortsschilder gibt es auch hier nicht. Man ist sich einfach nicht sicher, wo man sich befindet. Ich frage in einem Ort nach, vermutlich in Bosche. Ein Mann rät mir, an der nächsten Kreuzung rechts zu gehen. Dann käme ich zu einem Schild, nach welchem es wieder rechts nach San Marino ginge. Erst später erkenne ich auf der Karte, dass ich den Staat so noch einmal kurz verlassen hatte und erst an der beschilderten Straßengabelung wieder betreten habe. Doch ich habe jetzt den Monte Titano vor mir und richte mich nach ihm. Eine SMS von Michael erreicht mich; er wird um 15 Uhr 15 in San Marino ankommen. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich es zeitlich bis dahin schaffen werde. Durch mögliche Umwege habe ich Zeit verloren, so glaube ich, und die Zeit, die ich zum Gipfel benötige, ist schwer einzuschätzen. Bei km 21,6 um 14 Uhr komme ich durch die Siedlung an der Via Silvole und befinde mich am Fuße des Berges. Ich komme durch Castello di Domagnano und lande um 14 Uhr 10 bei km 22,4 doch wieder auf der Superstrada. Aber einen anderen Weg hinauf gibt es auch nicht. Zu Fuß ist es wirklich gefahrvoll. In Linkskurven geht es um felsige Abschnitte herum, in denen Motorradfahrer sich so weit in die Kurven legen, dass sie mit dem Kopf fast am Felsen scheuern. Da bleibt nicht mehr viel Platz für einen Fußgänger und man muss höllisch aufpassen. Auch bei LKWs und Bussen ist es nicht viel anders. Eine gute Stunde später, bei km 26,1, komme ich nach einem Kreisverkehr, an dem ich rechts gehe, in dem alten Städtchen Borgo Maggiore an. Danach beginnt der richtige Steilanstieg. Ich frage nach einer möglichen Treppenverbindung mit San Marino. Die gibt es aber nicht. Ich muss auf der Straße bleiben. Nur die Schwebebahn könnte ich nehmen. Aber ich will es zu Fuß schaffen. Michael ist offenbar gerade im Bus an mir vorbeigefahren. Seine SMS soll aufmuntern: "Halte durch! Du hast es gleich geschafft!"
An einer Hecke vorbei, in die der Text "Bienvenutti a San Marino" eingeschnitten ist, betrete ich schon mal das Gemeindegebiet der Stadt und um 15:20 Uhr, km 27,0 komme ich am offiziellen Ortsschild vorbei. Bis in die historische Stadt geht es nach links noch etwas hinauf (Schild Centro Storico) und endlich, beim Endstand von 28,5 Kilometern, stehe ich vor den Toren der Altstadt San Marinos und bewundere den herrlich weiten Blick in die Appenninen hinein, dorthin, wo wir im nächsten Jahr die Wanderung fortsetzen wollen. Vorerst treffe ich mich mit Michael und mache mit ihm einen Besichtigungsbummel durch die wunderbare Altstadt und durch die Burganlagen.
Stand: 19.06.2005